Thessaloniki

Gerade ist es 4 Uhr morgens und wir sitzen am Strand in Ören. Es regnet und donnert wie wild und die Blitze erleuchten die steilen Berge und das Meer sekundenweise in grelles Licht. Wir hatten keine Lust auf ein nasses Zelt und da wir sowieso um 9 eingeschlafen sind endet unsere Nacht diesmal nach 7 Stunden – um 4 Uhr morgens. Was für ein Schlafrhythmus! So bleibt Zeit noch ein bisschen über Griechenland und die Türkei zu berichten. 

Thessaloniki

Eine Stadt voll von hupenden Autos die sich ungeduldig einen Weg durch die unzähligen Einbahnstraßen suchen. Im steilen Hang gelegen, ist jeder Weg durch Thessaloniki zumindest in eine Richtung anstrengend. 

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Die Stadt hat eine reiche kulturelle Historie (klar – wir sind ja auch in der zweitgroessten Stadt  der alten Griechen, gegründet 315 v. Chr.) bietet aber auch viel Modernes: Die Universität, Foto- und Film-Museum, Cafés und Bars soweit das Auge reicht.

Mir sind selten so viele perfekt gestylte Chicks (das beinhaltet auch Männer!) und Anarchie-Zeichen am selben Ort begegnet. Aber anscheinend ist besonders die Uni Szene eher links ausgerichtet: Rock, Punk und Reggae ist nicht komplett vom Elektro-Hype ersetzt worden und politische Bewegungen haben die Stadt in ein vollgetaggtes Kunstwerk von Streetart & politischen Parolen verwandelt.

Die Uni hier hat besonderen Stellenwert: Da die Studenten maßgeblich am Sturz der military junta in 1974 beteiligt waren hatte die Polizei eigentlich immer Zutrittsverbot zu allen Unigebäuden. Auch die Nachtwache war Aufgabe der Studenten und so war die Uni nicht nur Ort wilder Parties sondern generell Zufluchtsort vor Regierung und Polizei. 
Ein paar ehemalige Studenten haben berichtet oft in der Uni übernachtet zu haben und dass die Uni fuer sie einfach ein sicherer Ort war bis die Regierung entschied, dass die Verantwortung den Studenten entzogen werden sollte – zur eigenen Sicherheit der Universität. Seit dem kann die Polizei Zugang beantragen und Geländeüberwachung ist Regierungssache geworden. Das Uni Gelände ist nun anscheinend weit weniger sicher und Nachts Platz von Drogenhandel und Kleinkriminalität. Schade!

Neben wunderschöner Architektur findet man in der Stadt auch unzählige leerstehende und verfallene Häuser.
Angesichts des bestehenden Häusermangels (3 Studenten im Hostel suchten seit 10 Tagen ohne Erfolg) ist das natürlich tragisch. Anstelle der geplanten Konfiszierung von Familienhäusern im Schuldenfall sollte man vielleicht eher die Squattinggesetze etwas lockern. Das könnte auch dem Verfall der Häuser entgegenwirken und den Wohnungsmangel lösen. 

Generell waren wir überrascht wie teuer z. B
Nahrungsmittel in Griechenland relativ zum Einkommen sind (LIDL-index sagt: Absolut sogar teurer als in Deutschland!). Und natürlich wie in den Balkanländern auch die hohen Spritpreise!

Daneben gibt es noch so kleine Funfacts, z. B. dass der verpflichtende Militärdienst mit 8,30 € monatlich entlohnt wird. Ausmustern gibt es quasi nicht, nur wenn man sich als geistig krank ausgibt und das steht dann lebenslang in deiner Akte (und machen dennoch viele). Alternativ kann man Sozialdienst leisten, dann aber für 2 Jahre und wieder fuer 8,30 € im Monat. Was für ein Witz!

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