Dushanbe bis Khaleikhum

Nun geht’s also wirklich los. Nicht wirklich ausgeschlafen aber hochmotiviert treffen wir die letzten Vorbereitungen für die ersten Tage. Alle Schrauben, Schläuche und Mäntel werden gecheckt. Wir füllen Wasser und Essen auf und sagen uns dann nur noch: Ab geht das Abenteuer.
Wir haben uns für die anspruchsvollere aber angeblich schönere Nordroute nach Kalaikhum entschieden. Wir fahren los auf den berühmten Pamir Highway M41, der direkt in Dushanbe startet. Und anfänglich trägt er wohl seinen Namen Highway zurecht. Vierspurig in beide Richtungen führt uns dieser  raus aus der Hauptstadt. Und sofort fallen und zwei Sachen im tadjikischen Straßenverkehr auf:
Es gibt offensichtlich keine Verkehrsregeln. Rückwärtsgang mitten auf der Schnellstraße? Klar, kein Problem!
Die Tadjiken sind durchaus rücksichtsvoll. Kein Mal haben wir einen Tadjiken gesehen der ohne zu schauen aus einer Parklücke fuhr oder ohne zu hupen  uns überholte?.
Die Hitze wird zunehmend drückend, weshalb wir eine kleine Pause im Schatten einlegen. Währenddessen kommen die zwei Pärchen aus dem Hostel (Lena&Stephan und Ross&Alessia) an uns vorbei. Alle auf der Suche nach Wasser. Nicht ahnend, dass wir doch noch viel Zeit miteinander verbringen werden.
Nach einer guten Stunde heißt es: Roll On. Gestärkt fahren wir weiter und kommen nach ca. 20 km erneut zum stehen. Eine tadjikische Bauernfamilie winkt uns zu sich heran und lädt uns zum Essen ein. Mit Gedanken im Kopf nichts ungeschältes oder ungekochtes zu Essen hauen wir trotzdem richtig rein. Und es ist unglaublich lecker. Man schmeckt die Sonne in den Früchten. Es entsteht eine muntere Plauderei über unsere Herkunftsländer. Zur Krönung wird Musik aus den 80ern gespielt: Modern Talking? . Die ganze Straße wird beschallt. Nach einer Tour über die Felder der Familie setzen wir uns gestärkt wieder in Bewegung.
Nach kurzer Zeit kommt ein erster Anstieg vor dem wir kurz anhalten. Auf einmal sind wir zu sechst. Die zwei Pärchen sind wieder da. Wir radeln eine Weile gemeinsam, schlagen unsere Nachtlager jedoch getrennt auf.
Nach einer ruhigen ersten Nacht zwischen Birkenbäumen geht es weiter. Nach kurzer Zeit erreichen wir den ersten Polizei Kontrollpunkt. Nicht verwunderlich, denn hier beginnt der Autonome Oblast Berg-Badachschan(GBAO). Ab jetzt radeln wir kontinuierlich zu sechst.
Nach mehreren Kilometern asphaltierter Straße zeigt das Navi unbeständige Straße an. Kurz darauf geschieht es: Schotter wohin das Auge reicht. Nun wir es anstrengend. Ständiges Auf und Ab zerrt an den Nerven. Gegen 17.45 schlagen wir unser Nachtlager am Wegesrand auf. Zugestaubt und ungeduscht gibt’s Abendessen und danach das wohlverdiente Bettchen.
Am nächsten Morgen fahren wir gut einen Kilometer bis wir eine Quelle direkt an der Straße entdecken. Duschen ist angesagt. Lukas geht gleich in voller Montur baden, die Anderen ziehen sich immerhin noch das T-Shirt aus. Frisch und wach nehmen wir die nächsten Kilometer in Angriff. Die Landschaft wird hügliger aber auch hinter jeder Kurve schöner.

Am nächsten Polizei Checkpoint begegnen wir einem Van mit der Aufschrift FREE CANDY. Wir schauen auf das Kennzeichen: Österreich. Vier Jungs aus Österreich bei der Mongol-Ralley. Aber es gab tatsächlich kostenlos Süßes.
Nach der kurzen Stärkung geht’s weiter. Jetzt durch tiefe Schluchten. In denen ich kurz mein Navi verloren habe, es jedoch nach einer Suchfahrt wiedergefunden habe. Der Weg wir immer bescheidener und hügeliger. Wir müssen zum ersten Mal den Wasserfilter einsetzen, da es keinen Laden weit und breit gibt. Dafür finden wir einen exzellenten Zeltplatz. Wo wir diesmal zu siebt übernachten. Sten aus Thüringen leistet uns Gesellschaft.
Am nächsten Tag wollen wir bis zum Fuße des Anstiegs zum Pass kommen. Wir erhöhen etwas die Schlagzahl, da es Lena nicht so gut geht und sie mit Stephan im nächst größeren Dorf eine Pause einlegen wollen. Bevor wir jedoch selbst das Dorf erreichen passiert es. Lux’ Kette bleibt im Umwerfer hängen und meint sich spalten zu müssen. Und als wäre die Kette nicht genug, hat es den Umwerfer direkt auch unbrauchbar gemacht. Wie gut dass es eh nur bergauf geht?.

Pannenreparatur: 3…2…1…Gute Laune!?

Lux’ neuer Umwerfer?

Wir decken uns in dem Dorf derweil mit Lebensmitteln ein, da es den besten Supermarkt weit und breit hat. Die Bedienung spricht sogar fließend deutsch.
Wir entscheiden uns ca. 5km hinter dem Dorf zu Campen.

An Tag 5 wollen wir bis kurz unter den Pass kommen. Wir entscheiden uns bis auf 2500m zu radeln. Dort ist ein vielversprechendes Dorf und möglicherweise ein kleiner Lebensmittelladen. Auf dem Weg hoch klappt uns zwischenzeitlich die Kinnlade runter. Anstrengende Straßen werden mit atemberaubenden Landschaften belohnt. Nach einem Bad im Bergbach schaffen wir es bis zum Dorf. Doch Lebensmittelladen Fehlanzeige! Stattdessen drückt uns ein Einwohner 2 kg Brot in die Hand: Geil! Auf der Suche nach einem Zeltplatz erreichen wir einen weiteren Polizei Checkpoint. Zeitgleich kommt eine Gruppe holländischer Motrorradfahrer an und erzählt uns, dass Sie gerade direkt aus Dushanbe kommen. Mit Begleitfahrzeug und null Gepäck: Toll…
Unser Schlafplatz fällt mies aus. Auf einem Feld voller Kuhmist muss das Zelt stehen. Dennoch ist es eine angenehme Nacht.

Tag 6 bedeutet Gipfelsturm. Wir nehmen die letzten 700hm in Angriff. Bei 10km heißt das konstant 7% Steigung. Nach knurrenden Hirtehunden und Pferde-, Kuh- und Ziegenherden erreichen wir glücklich den Pass auf 3258m Höhe. Wir haben uns die Mittagspause verdient!
Nun beginnt der Abstieg. Mit Vorfreude auf ein gemütliches Rollen-Lassen kommt recht schnell die Erkenntnis, dass der Abstieg härter wird als der Aufstieg. 100% Konzentration und eine Bewährungsprobe für Mensch und Material. Wir werden ordentlich durchgeschüttelt. Die Straße darf man nicht Straße nennen. Es ist eine Zumutung. Aber wir werden alsbald mit atemberaubenden Klippen, Schluchten und bergen belohnt. Wir halten oft an, nur um die Aussicht zu genießen.

Am Ende der Straße wartet ein Kontrollpunkt auf uns. Hiernach geht es wieder entspannter zur Sache. Mit einem türkisblauen Fluß an unserer Seite kommen wir unversehrt in Khaleikhum an. Erstmal in den Supermarkt. Nach 5 Tagen schauen was man bekommt, ist man nun im Paradies. Es gibt alles! Wir decken uns mit dem Gedanken an eine Weiterfahrt ein. Dazu kommt es jedoch nicht, da wir mit Alessia und Ross ein Bierchen getrunken haben. Das hat uns so aus den latschen gehauen, dass wir uns entschieden haben im Hotel Energie zu tanken. Morgen geht’s es weiter Richtung Khorog.

By the way, we love Banana Brot. 



 

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