Die letzten Kilometer zu unserem Ziel stehen an. Da wir doch besser durchs Pamirgebirge gekommen sind als erwartet, haben wir uns vorgenommen die letzten Kilometer in zwei Radtage zu teilen. Nach einem späten Start in Gulcha haben wir uns auf den Weg über den letzten Pass gemacht. Dieser bestand aus ca. 800hm. Da die Luft aber wieder schön dick war, machte uns der Pass keine Probleme. Oben gönnten wir uns eine Mahlzeit mit Weißbrot, Wurst und Käse. Noch viel Zeit im Petto rollten wir ca. 700m den Berg herunter und tranken Tee und aßen Kuchen. Wir hatten kein Zeitstress. Eine Stunde später rollten wieder weiter den Berg hinab. Ohne Kraftaufwand hielten wir bald Ausschau nach einem geeigneten Campingplatz. Diesen fanden wir dann auch rasch und machten uns einen leckeren Eintopf. Die Temperaturen  ließen ein gemütliches Schlafen zu und wir wachten erholt zu den ersten Sonnenstrahlen auf. Kurz bevor wir unsere Drahtesel besteigen wollten, kam plötzlich ein kirgisischer Farmer samt Kind vorbei und bot uns eine Reitrunde an. Während Lux nicht wusste wo das Gaspedal war, fand ich die Bremse nicht. Ingenieure halt…?

Nach Schreck und Gelächter waren wir nun doch wieder auf der Straße. Der Gegenwind vom Vortag war nun Rückenwind. Durch Windschattenfahren erreichten wir bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 35km/h Osch in ca. 1.5Std. Was eine Sause!

Nun begann der Urlaubsteil der Reise. Nicht wissend wohin mit den 2,5 Resttagen entschieden wir uns uns vollzufuttern. Wir fanden richtigen Kaffee aus einer Siebträgermaschine und bestes kirgisisches Plov! Eine Portion für drei Personen verschwanden binnen Minuten in unseren zwei hungrigen Mägen. Und so ging es die nächsten zwei Tage weiter. Essen und Schlafen hieß die Devise.

Nebenbei bastelten wir uns Transportkartons für unsere Fahrräder. Wir nennen Sie liebevoll Frankensteinboxen.

 

Morgen früh um 1:00 geht der Rückflug. Es war abenteuerlich und bat uns eine neue Sicht auf die kulturellen, materiellen sowie körperlichen Herausforderungen einer solchen Reise. Wir sind sehr dankbar eine solche Reise unternommen gedurft zu haben.

Wir freuen uns euch davon erzählen zu können, wenn wir wieder da sind.

Viele liebe Grüße

Lux und Birk

Nach einer wundervollen Nacht im Homestay in Karakul geht es nun ans Eingemachte. Die letzten zwei 4000er Pässe müssen fallen.

Nach einem späteren Start in die Radelei geht es gemütlich los. Wir haben heute nur ca. 40km vor uns. Nach ca. 30km liegt der Uy Buloq Pass mit 4232m. Der anfängliche Rückenwind um den Karakul See hat uns optimistisch gestimmt, dass der Tag nen halber Ruhetag wird. Wir sollten aber wie so oft eines Besseren belehrt werden. Zu Beginn war die Steigung entspannt. Wir machten Höhenmeter nach Höhenmeter. Dann mussten wir ca. 12% Steigung überwinden. Wenn dann nicht noch der Wind gedreht hätte. Ich begann zu fluchen und meine Beine zu brennen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Auch Lux bekam etwas von meiner wunderbaren Laune ab. Trotz Allem erreichten wir die Passhöhe recht zügig. Dann war auch Zeit für eine kurze Verschnaufpause. Der Wind blies jedoch kalt und wir machten uns auch recht bald wieder auf den Weg: Endlich bergab!…denkste! Es wird hier oben nie langweilig! Der Gegenwind drehte nun erst richtig auf. Aus gemütlich bergab wurde Windschatten fahren und ordentlich Strampeln! Und dann kamen auch noch kleine Sandstürme dazu. Wir suchten eine halbe Stunde nach einem geeigneten Campingplatz und fanden etwas zwischen zwei Sanddünen. Das Zelt wurde mit Hilfe von Steinen fixiert weil der Boden nicht mehr als losen Sand zu bieten hatte. Nach einem kurzen Treffen mit einem Grenzsoldaten kochten wir und verschwanden im Zelt. Die Nacht sollte erneut klirrend kalt werden und das Innere des Zelts gefrieren lassen.

Am nächsten Tag wurden wir nicht wirklich warm. Der Wind blies unaufhaltsam ins Gesicht und die Schotterpiste mit Waschbrett machte das Radeln nicht besonders zum Vergnügen. Nachdem die Hände aufgetaut waren, begannen die Füße zu frieren. Wir kämpften uns trotz Schmerz und Kälte bis zur Grenze knapp unterhalb der Kizil Art Passhöhe durch. Die Grenzer waren etwas zu Späßen angehalten und veräppelten zwei Amis mit ihrem Mietwagen. Nach einer unaufgeregten Passkontrolle durften wir ausreisen. Wir erklommen die letzten 150 Höhenmeter auf 4336m und überschritten die Grenze nach Kirgisistan!

Die Abfahrt konnte als kleine Belohnung gesehen werden. Obgleich Schotter und Buckelpiste, machte die Abfahrt Spaß. Nach ca. 20 km erreichten wir den Grenzposten von Kirgisistan. Unproblematisch wurde uns ein Stempel in den Pass gedrückt und wir durften die letzten Kilometer bis Sary Tasch antreten. Bergab versteht sich. Der immer stärker werdende Gegenwind zerrte jedoch alsbald an unseren Nerven. Wir wollten einfach nur ins Homestay. Nach weiteren 28km kamen wir an und wurden mit Kaffee, Keksen und Brot empfangen: Pures Glück!

Als nächstes werden die letzten Kilometer bis Osch unsicher gemacht!

Ausgeschlafen und vollgestopft mit gutem tajikischen Essen machen wir uns auf den Weg zum höchsten Punkt dieser Radreise: Der Akbaital Pass mit 4655m ü.n.N.

Der Tag beginnt mit leichtem Gegenwind. Die Muskeln sind ein bisschen schwer, gewöhnen sich aber bald an die Belastung. Nach 2 Sunden haben wir schon 25km erstrampelt (1/3 der geplanten Tagesstrecke). Ab jetzt lassen wir uns ein wenig mehr Zeit. Ist ja noch genug Tag da. Nach weiteren 25km erstreckt sich auf einmal ein langer Zaun entlang der Strecke: Die Grenze zu China, absurd! Wir sind zwischenzeitlich vielleicht 10m vom Zaun entfernt.

Nach einer kurzen Kaffeepause am Grenzfluss (Akbaital) treten wir für die letzten 25km zum Campspot an. Die Sonne lässt sich immer wieder blicken und wir merken kaum wie wir auf 4300m ankommen. Kurz bevor wir das Zelt aufbauen, treffen wir noch ein französisches Pärchen in einem Jeep, das uns noch eine Flasche Wasser auffüllt. Jetzt wird es auch allmählich kalt und wir verschwinden recht schnell im Zelt und kochen noch was leckeres: Gute Nacht…

…und was für eine! Beim nächtlichen Toilettengang können wir den klarsten Sternenhimmel bestaunen, den wir je gesehen haben. Es ist jedoch bereits so kalt, dass wir nicht lange draußen bleiben können.

Die ersten Sonnenstrahlen treffen das Zelt um 6:00 Uhr und ich frage mich wie kalt es doch ist. Also hole ich mein Navi aus meiner Lenkertasche und Stelle mit erstaunen fest: Es ist -7.5 Grad Celsius IM ZELT! Folglich muss es wohl draußen mindestens -12 gewesen sein.

Alle Wasserflaschen sind gefroren und die Zeltdecke hat Raureif angesetzt. Es ist wirklich kalt!

Wir brauchen ne Weile aufzutauen sind dann aber bereit den Pass zu erradeln! Wir machen uns mit kalten Beinen auf. Nach ca. 2km beginnt die Steigung. Wir merken sofort die dünne Luft. Das Atmen fällt schwer und wir kriegen den Tunnelblick. Es zählt nur Hochkommen! Nach 45min erreichen wir die Passhöhe auf 4655m. Wir sind erleichtert und glücklich! Nach einer kurzen Fotosession machen wir uns auf den Weg hinab ins Tal.

Wie immer belohnt einen Tadjikistan aber nicht mit einer rasanten Abfahrt sondern mit Schotter! Die Abfahrt wird zur Geduldsprobe. Man muss sich konzentrieren, dass man nicht das Waschbrett mitnimmt. Der Großteil der Piste ist welliger Schotter, der genau die Eigenfrequenz des Fahrrads trifft…ätzend! Nach halber Strecke bis Karakul machen wir eine Mittagspause und gönnen uns Kaffee und ein Nickerchen in der Sonne. Wir füllen unsere Wasservorräte auf und beginnen die letzten 40km bis Karakul.

Ca. 25km vor unserem Ziel erheben sich plötzlich majestätische Gebirgszüge am Horizont. Der Karakulsee lässt die Kulisse noch fantastischer wirken. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Die Grenze nach Kirgisistan ist nurnoch 50km entfernt. Wir gönnen uns eine Verschnaufpause in einem Homestay.

Morgen geht’s auf zu den letzten zwei 4000er Pässen.

Nach einer rasanten Passabfahrt mit Rückenwind fühlten wir uns wie Supermänner. Die Kilometer purzelten und wir dachten uns, dass die nächsten 50km bis Alichur vielleicht doch machbar sind. In diesem Gefühl bestärkte uns ein junger Neuseeländer auf der Strecke. Die Straßen seien gut und nach dem nächsten Anstieg ist es kaum noch was. Also, ab geht’s!

Nach dem Anstieg konnten wir richtig Gas geben. Mit 60 Sachen überholten wir sogar die schnaufenden LKW. Bei dem Tempo sind wir doch in Null Komma Nix in Alichur! Leider folgte wenig später die Ernüchterung. Das GPS zeigte noch 20km an und irgendwie fuhren wir wieder bergauf. Die Sonne ging langsam unter, das Wasser wurde weniger und die Kilometer wollten nicht weniger werden. Gegen 18:00 (Sonnenuntergang) erreichten wir dann doch ziemlich erschöpft unser Ziel: Das Homestay “Nur”. Mit Sauna (beheizt mit Yak-Scheisse) und super leckerem “Plov” (Reis mit Möhren und Rindfleisch) als Abendessen. Jetzt ließen wir den Tag erstmal sacken. 4200er Pass und 85km, das kann sich sehen lassen.
Nach einer erholsamen Nacht starten wir den Tag gemütlich um 8:30. Heute mal mit Gegenwind. Die Steigung ist aber nicht der Rede wert weshalb wir ganz gut Strecke machen. Ziel ist die Überwindung des nächsten Passes auf 4170m. Dieser entpuppt sich aber eher als Hügelchen bei dem man den höchsten Punkt erahnen muss.

Der Tag endet dann jedoch schon etwas früher . Wir schlagen unser Zelt 35km vor Murghab auf 4000m auf. Es wird allmählich kalt und wir bekommen Hunger?. Es gibt Bohnen mit Tomatensoße, Zwiebeln und Weizengries – tatsächlich lecker. Die Wahl sollte sich aber später rächen…Gase scheinen sich in der Höhe besser zu entwickeln??. Ich belass es mal dabei?.
Am nächsten Morgen erwartet uns eine Überraschung. Nachdem ich bemerkt hatte, dass das Außenzelt ein verdächtiges Weiß angenommen hatte, ging ich nach draußen – Wir waren eingeschneit!

4cm Neuschnee und eine angenehme morgendliche Frische ließen uns etwas mehr Zeit im Zelt verbringen. Mit dem Schnee wurde erstmal Kaffee gekocht. Danach gab’s Griesbrei. Nachdem das Zelt trocken war machten wir uns auf den Weg nach Murghab. Wir merkten schnell, dass Wolken und 2 Grad doch schon ziemlich kühl wirken können?. Also dickere Klamotten an und ab dafür. Nach gut 4 Stunden Radfahren durch beeindruckende Kulissen erreichten wir letztendlich Murghab. Hier gönnen wir uns bis morgen eine Auszeit um frisch für den 4600er Pass Übermorgen zu sein.

Nach einer Nacht im “5 Sterne Hotel” für umgerechnet 35€ p. P. sind wir ausgeruht. Uns erwartet der langsame Anstieg von 1200 auf 2020 Meter über 240 km: Easy Peasy, denken wir?

Aber erstmal etwas zur geografischen Lage. Der Pamir Highway (M41) führt bis Khorog an der Afghanischen Grenze entlang. Irgendwie schon ein komisches Gefühl. Afghanistan ist doch das Land mit Krieg und Taliban und allem was uns man so hört.
Auf den ersten Blick ist es wirklich anders. Knapp 500m, auf der anderen Seite des Panj laufen Frauen vollverschleiert herum. Auch in der Schule sind alle verschleiert. Die strenge Auslegung des Islam scheint zumindest optisch bestätigt. Je weiter wir jedoch Richtung Khorog vordringen soll sich aber noch einiges an diesem Bild ändern.

Wir starten also gemütlich zur Mittagszeit unsere Tour und freuen uns auf ein entspannteres Radfahren als über den Pass. Hierbei begleiten uns Ross und Alessia weiterhin.
Nach ca. 10km realisieren wir, dass es wohl doch nicht son entspanntes weiterkommen sein wird. In der Mittagshitze bei ca. 40 Grad in der Sonne beginnen die gerade noch asphaltierten Straßen zu Schotterpisten zu mutieren. Es wird mühselig. Wir müssen oft Wasser nachfüllen und die Beine werden schwer. Nach ca. 36 km wird gecampt. An einem schönen Sandstrand am Fluss. Bevor wir schlafen gehen genießen wir den wunderschönen Sternenhimmel.

Auf dem Weg merken wir immer wieder dass die afghanische Seite sehr gepflegt und grün ist. Kinder rufen rüber auf unsere Seite und winken. Keine Spur von Abneigung. Wobei man natürlich auch sagen muss, wir sind nicht in Afghanistan. Wir können die Verhältnisse nur aus der Ferne beobachten.

Die nächsten Tage verlaufen ähnlich mühsam. Mehr als 50km sind kaum drin. Zudem verdirbt sich Lukas den Magen und wir müssen öfter pausieren und das Tempo rausnehmen. Ross und Alessia sind aber auch nicht ganz fit. Die letzten Tage stecken in den Knochen. Wir werden von einem Bauern eingeladen in seinem Garten zu campen. Mit Dusche und Früchten direkt vom Baum. Ich Pumpe derweil Lukas mit Elektrolytlösung voll und er bekommt Antibiotika. Wir sind eigentlich kein e Freunde derartiger Keulen aber hier gibt es nur sehr schlechte medizinische Versorgung und wir wollen kein Risiko eingehen.

Die nächsten Tage gehen besser. Die Straßen werden besser und wir kommen wieder ordentlich voran. Lukas’ Verdauungstrakt stabilisiert sich und die Energie kommt langsam zurück.

Nach 2 Platten Reifen und gutem Frühstück schaffen wir mal 56km und kommen in einer wunderschönen Schlucht und viel grün zur Ruhe. Wir genießen die Ruhe und die afghanischen Straßenbauarbeiten… mit Dynamit. An Orten, wo man glaubt, man könnte keine Straßen bauen, beweisen dir die Afghanen das Gegenteil. Presslufthammer, Dynamit und Brechstangen heißt die Devise!

Die letzten 120km nach Khorog stehen an. Die Straßen sind nun fast durchgehend asphaltiert und die Kilometer purzeln. Nach einer Weile erreichen wir eine Hochebene wo der Panj in einen See übergeht. Die Höhenmeter sind lachhaft: Endlich entspannt radeln, auch wenn Lukas noch die Nachwirkungen und den Energiemangel der letzten Tage spürt. Wir kommen in einem netten Homestay zur Ruhe und können etwas länger die Beine hochlegen.
Die letzten Kilometer bis Khorog sind eher schnell abgespult. Wir schaffen es gegen 16 Uhr zum Hostel und legen einen Ruhetag in Khorog ein. Den brauchen wir nun auch!

Nun geht’s also wirklich los. Nicht wirklich ausgeschlafen aber hochmotiviert treffen wir die letzten Vorbereitungen für die ersten Tage. Alle Schrauben, Schläuche und Mäntel werden gecheckt. Wir füllen Wasser und Essen auf und sagen uns dann nur noch: Ab geht das Abenteuer.
Wir haben uns für die anspruchsvollere aber angeblich schönere Nordroute nach Kalaikhum entschieden. Wir fahren los auf den berühmten Pamir Highway M41, der direkt in Dushanbe startet. Und anfänglich trägt er wohl seinen Namen Highway zurecht. Vierspurig in beide Richtungen führt uns dieser  raus aus der Hauptstadt. Und sofort fallen und zwei Sachen im tadjikischen Straßenverkehr auf:
Es gibt offensichtlich keine Verkehrsregeln. Rückwärtsgang mitten auf der Schnellstraße? Klar, kein Problem!
Die Tadjiken sind durchaus rücksichtsvoll. Kein Mal haben wir einen Tadjiken gesehen der ohne zu schauen aus einer Parklücke fuhr oder ohne zu hupen  uns überholte?.
Die Hitze wird zunehmend drückend, weshalb wir eine kleine Pause im Schatten einlegen. Währenddessen kommen die zwei Pärchen aus dem Hostel (Lena&Stephan und Ross&Alessia) an uns vorbei. Alle auf der Suche nach Wasser. Nicht ahnend, dass wir doch noch viel Zeit miteinander verbringen werden.
Nach einer guten Stunde heißt es: Roll On. Gestärkt fahren wir weiter und kommen nach ca. 20 km erneut zum stehen. Eine tadjikische Bauernfamilie winkt uns zu sich heran und lädt uns zum Essen ein. Mit Gedanken im Kopf nichts ungeschältes oder ungekochtes zu Essen hauen wir trotzdem richtig rein. Und es ist unglaublich lecker. Man schmeckt die Sonne in den Früchten. Es entsteht eine muntere Plauderei über unsere Herkunftsländer. Zur Krönung wird Musik aus den 80ern gespielt: Modern Talking? . Die ganze Straße wird beschallt. Nach einer Tour über die Felder der Familie setzen wir uns gestärkt wieder in Bewegung.
Nach kurzer Zeit kommt ein erster Anstieg vor dem wir kurz anhalten. Auf einmal sind wir zu sechst. Die zwei Pärchen sind wieder da. Wir radeln eine Weile gemeinsam, schlagen unsere Nachtlager jedoch getrennt auf.
Nach einer ruhigen ersten Nacht zwischen Birkenbäumen geht es weiter. Nach kurzer Zeit erreichen wir den ersten Polizei Kontrollpunkt. Nicht verwunderlich, denn hier beginnt der Autonome Oblast Berg-Badachschan(GBAO). Ab jetzt radeln wir kontinuierlich zu sechst.
Nach mehreren Kilometern asphaltierter Straße zeigt das Navi unbeständige Straße an. Kurz darauf geschieht es: Schotter wohin das Auge reicht. Nun wir es anstrengend. Ständiges Auf und Ab zerrt an den Nerven. Gegen 17.45 schlagen wir unser Nachtlager am Wegesrand auf. Zugestaubt und ungeduscht gibt’s Abendessen und danach das wohlverdiente Bettchen.
Am nächsten Morgen fahren wir gut einen Kilometer bis wir eine Quelle direkt an der Straße entdecken. Duschen ist angesagt. Lukas geht gleich in voller Montur baden, die Anderen ziehen sich immerhin noch das T-Shirt aus. Frisch und wach nehmen wir die nächsten Kilometer in Angriff. Die Landschaft wird hügliger aber auch hinter jeder Kurve schöner.

Am nächsten Polizei Checkpoint begegnen wir einem Van mit der Aufschrift FREE CANDY. Wir schauen auf das Kennzeichen: Österreich. Vier Jungs aus Österreich bei der Mongol-Ralley. Aber es gab tatsächlich kostenlos Süßes.
Nach der kurzen Stärkung geht’s weiter. Jetzt durch tiefe Schluchten. In denen ich kurz mein Navi verloren habe, es jedoch nach einer Suchfahrt wiedergefunden habe. Der Weg wir immer bescheidener und hügeliger. Wir müssen zum ersten Mal den Wasserfilter einsetzen, da es keinen Laden weit und breit gibt. Dafür finden wir einen exzellenten Zeltplatz. Wo wir diesmal zu siebt übernachten. Sten aus Thüringen leistet uns Gesellschaft.
Am nächsten Tag wollen wir bis zum Fuße des Anstiegs zum Pass kommen. Wir erhöhen etwas die Schlagzahl, da es Lena nicht so gut geht und sie mit Stephan im nächst größeren Dorf eine Pause einlegen wollen. Bevor wir jedoch selbst das Dorf erreichen passiert es. Lux’ Kette bleibt im Umwerfer hängen und meint sich spalten zu müssen. Und als wäre die Kette nicht genug, hat es den Umwerfer direkt auch unbrauchbar gemacht. Wie gut dass es eh nur bergauf geht?.

Pannenreparatur: 3…2…1…Gute Laune!?

Lux’ neuer Umwerfer?

Wir decken uns in dem Dorf derweil mit Lebensmitteln ein, da es den besten Supermarkt weit und breit hat. Die Bedienung spricht sogar fließend deutsch.
Wir entscheiden uns ca. 5km hinter dem Dorf zu Campen.

An Tag 5 wollen wir bis kurz unter den Pass kommen. Wir entscheiden uns bis auf 2500m zu radeln. Dort ist ein vielversprechendes Dorf und möglicherweise ein kleiner Lebensmittelladen. Auf dem Weg hoch klappt uns zwischenzeitlich die Kinnlade runter. Anstrengende Straßen werden mit atemberaubenden Landschaften belohnt. Nach einem Bad im Bergbach schaffen wir es bis zum Dorf. Doch Lebensmittelladen Fehlanzeige! Stattdessen drückt uns ein Einwohner 2 kg Brot in die Hand: Geil! Auf der Suche nach einem Zeltplatz erreichen wir einen weiteren Polizei Checkpoint. Zeitgleich kommt eine Gruppe holländischer Motrorradfahrer an und erzählt uns, dass Sie gerade direkt aus Dushanbe kommen. Mit Begleitfahrzeug und null Gepäck: Toll…
Unser Schlafplatz fällt mies aus. Auf einem Feld voller Kuhmist muss das Zelt stehen. Dennoch ist es eine angenehme Nacht.

Tag 6 bedeutet Gipfelsturm. Wir nehmen die letzten 700hm in Angriff. Bei 10km heißt das konstant 7% Steigung. Nach knurrenden Hirtehunden und Pferde-, Kuh- und Ziegenherden erreichen wir glücklich den Pass auf 3258m Höhe. Wir haben uns die Mittagspause verdient!
Nun beginnt der Abstieg. Mit Vorfreude auf ein gemütliches Rollen-Lassen kommt recht schnell die Erkenntnis, dass der Abstieg härter wird als der Aufstieg. 100% Konzentration und eine Bewährungsprobe für Mensch und Material. Wir werden ordentlich durchgeschüttelt. Die Straße darf man nicht Straße nennen. Es ist eine Zumutung. Aber wir werden alsbald mit atemberaubenden Klippen, Schluchten und bergen belohnt. Wir halten oft an, nur um die Aussicht zu genießen.

Am Ende der Straße wartet ein Kontrollpunkt auf uns. Hiernach geht es wieder entspannter zur Sache. Mit einem türkisblauen Fluß an unserer Seite kommen wir unversehrt in Khaleikhum an. Erstmal in den Supermarkt. Nach 5 Tagen schauen was man bekommt, ist man nun im Paradies. Es gibt alles! Wir decken uns mit dem Gedanken an eine Weiterfahrt ein. Dazu kommt es jedoch nicht, da wir mit Alessia und Ross ein Bierchen getrunken haben. Das hat uns so aus den latschen gehauen, dass wir uns entschieden haben im Hotel Energie zu tanken. Morgen geht’s es weiter Richtung Khorog.

By the way, we love Banana Brot. 



 

Die Nervosität steigt, die Vorfreude jedoch ist berauschend. Nach einer entspannten Nacht und ein paar Stunden Autofahren, treffen Lux und ich uns am Frankfurter Flughafen. Mit zwei großen Kisten und zwei Kleinen Gepäcktaschen im Anschlag geht’s zum Check-In.

Nach einem netten Pläuschchen mit Mitarbeitern der US-Botschaft in Dushanbe und ein paar Tipps für die Tour geben wir endlich auch unser Gepäck auf. Die Angst vor Übergepäck zerstreut sich recht schnell nachdem 2 Frauen vor uns ca. 300kg extra aufgegeben haben. Die Dame am Schalter war offensichtlich etwas geschockt und wollte unsere Kisten einfach schnell einchecken.

woohoo, ab geht’s!

Ein Radler zum Einstand

Der Flug geht um 18:40. Ein Abendesse, mini Dessert und ein paar Instantkaffee später landen wir in Dushanbe. Es ist nun 5 Uhr morgens Ortszeit. In einem Zustand zwischen Übermüdung und Hyperaktivität stellen wir erfreulicherweise fest, dass die Drahtesel die Reise unbeschadet überstanden haben. Nachdem wir den Stempel im Pass hatten geht’s nach draußen. So, erstmal Rad zusammenbauen. Schon nach kurzer Zeit bildete sich eine große Menschentraube, interessiert was wir da so machen. Bei der Ansage, dass wir das Pamirgebirge durchfahren wollen gab’s nur einen kurzen Lacher.

6Uhr morgens: Wir sind startklar!

Radtest um 6 Uhr morgens

Mittlerweile hell legen wir die ersten 2km zum Hostel zurück. Angekommen fallen wir erschöpft ins Bett.

Mittags plauschen wir noch mit anderen Radfahrern. Z.B. Einem Pärchen aus Hamburg was schon 5,5 Monate unterwegs sind. Direkt werden kleinere Reisetipps ausgetauscht. Unsere Entscheidung fällt uns Montag gegen 8 auf den weg zu machen um den kühlen Morgen zu nutzen.

Ein Spaziergang durch die Stadt und leckeres Abendessen geht es nun ins Bett.

Mal schauen wie die Internetlage auf der Route ist. Wahrscheinlich gibt’s das nächste Update erst in 1,5 Wochen.

Viele Grüße

Birk