An der Afghanischen Grenzen von Khalaikhum bis Khorog

Nach einer Nacht im “5 Sterne Hotel” für umgerechnet 35€ p. P. sind wir ausgeruht. Uns erwartet der langsame Anstieg von 1200 auf 2020 Meter über 240 km: Easy Peasy, denken wir?

Aber erstmal etwas zur geografischen Lage. Der Pamir Highway (M41) führt bis Khorog an der Afghanischen Grenze entlang. Irgendwie schon ein komisches Gefühl. Afghanistan ist doch das Land mit Krieg und Taliban und allem was uns man so hört.
Auf den ersten Blick ist es wirklich anders. Knapp 500m, auf der anderen Seite des Panj laufen Frauen vollverschleiert herum. Auch in der Schule sind alle verschleiert. Die strenge Auslegung des Islam scheint zumindest optisch bestätigt. Je weiter wir jedoch Richtung Khorog vordringen soll sich aber noch einiges an diesem Bild ändern.

Wir starten also gemütlich zur Mittagszeit unsere Tour und freuen uns auf ein entspannteres Radfahren als über den Pass. Hierbei begleiten uns Ross und Alessia weiterhin.
Nach ca. 10km realisieren wir, dass es wohl doch nicht son entspanntes weiterkommen sein wird. In der Mittagshitze bei ca. 40 Grad in der Sonne beginnen die gerade noch asphaltierten Straßen zu Schotterpisten zu mutieren. Es wird mühselig. Wir müssen oft Wasser nachfüllen und die Beine werden schwer. Nach ca. 36 km wird gecampt. An einem schönen Sandstrand am Fluss. Bevor wir schlafen gehen genießen wir den wunderschönen Sternenhimmel.

Auf dem Weg merken wir immer wieder dass die afghanische Seite sehr gepflegt und grün ist. Kinder rufen rüber auf unsere Seite und winken. Keine Spur von Abneigung. Wobei man natürlich auch sagen muss, wir sind nicht in Afghanistan. Wir können die Verhältnisse nur aus der Ferne beobachten.

Die nächsten Tage verlaufen ähnlich mühsam. Mehr als 50km sind kaum drin. Zudem verdirbt sich Lukas den Magen und wir müssen öfter pausieren und das Tempo rausnehmen. Ross und Alessia sind aber auch nicht ganz fit. Die letzten Tage stecken in den Knochen. Wir werden von einem Bauern eingeladen in seinem Garten zu campen. Mit Dusche und Früchten direkt vom Baum. Ich Pumpe derweil Lukas mit Elektrolytlösung voll und er bekommt Antibiotika. Wir sind eigentlich kein e Freunde derartiger Keulen aber hier gibt es nur sehr schlechte medizinische Versorgung und wir wollen kein Risiko eingehen.

Die nächsten Tage gehen besser. Die Straßen werden besser und wir kommen wieder ordentlich voran. Lukas’ Verdauungstrakt stabilisiert sich und die Energie kommt langsam zurück.

Nach 2 Platten Reifen und gutem Frühstück schaffen wir mal 56km und kommen in einer wunderschönen Schlucht und viel grün zur Ruhe. Wir genießen die Ruhe und die afghanischen Straßenbauarbeiten… mit Dynamit. An Orten, wo man glaubt, man könnte keine Straßen bauen, beweisen dir die Afghanen das Gegenteil. Presslufthammer, Dynamit und Brechstangen heißt die Devise!

Die letzten 120km nach Khorog stehen an. Die Straßen sind nun fast durchgehend asphaltiert und die Kilometer purzeln. Nach einer Weile erreichen wir eine Hochebene wo der Panj in einen See übergeht. Die Höhenmeter sind lachhaft: Endlich entspannt radeln, auch wenn Lukas noch die Nachwirkungen und den Energiemangel der letzten Tage spürt. Wir kommen in einem netten Homestay zur Ruhe und können etwas länger die Beine hochlegen.
Die letzten Kilometer bis Khorog sind eher schnell abgespult. Wir schaffen es gegen 16 Uhr zum Hostel und legen einen Ruhetag in Khorog ein. Den brauchen wir nun auch!

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